Unbenanntes Dokument

Alle Posts von Malaika

Alle - Nur Rollenspiel

fremde schatten
an so vertrauten Wänden
wurden wie Unbekannte die sich jeden Tag begegnen


Malaika » 15.01.2022, 19:44 » Neuer Tag, neues Glück.

Die Helle hielt den Blick auf Eddie gerichtet, abwartend und mit einer grundlegenden Wärme. Der Hengst hatte während ihrer Begegnung einer förmlichen Wandel durchlebt. Am Anfang fast schon gebrochen, müde und ausgelaugt von dem, was wohl gewesen ist, erwachte er nun immer mehr zum Leben. Einfach so. Durch ihre Anwesenheit? Malaika konnte langsam erahnen, was unter dem stumpfen Fell schlummerte, welch einen Anblick der Dunkle in guten Tagen sein musste. Muskulös. Freundlich. Beinahe sanftmütig. Einfach angenehm. Der sanfte, weiche Klang seiner Worte hallte leise in Malaikas feinen Ohren nach. Ja, ich kann dich verstehen. Es tat gut so etwas zu hören, dass musste die Stute zugeben. Sie verstand sich kaum selber. Ihr Leben, wie es verlief und warum es so lief. Konnte Eddie sie wirklich verstehen? Zumindest das, worauf sich seine Aussage bezog, da war sich Malaika sicher. Sie enthielt sich, lächelte ihn nur leicht und warm an, lauschte seiner Stimme und nickte nur flüchtig. Manche Dinge brauchten keine Worte.

Erneut verstrichen Momente der Stille. Mittlerweile war sich die Helle bewusst das dies kein Grund war Spannung zu vermuten oder sich bedrückt zu fühlen. Eddie brauchte diese Zeit, brauchte einen Moment Gesagtes auf sich wirken zu lassen und sich Worte zurecht zu legen, sich zu sortieren. Ohne es groß zu merken hatte die Helle diese Eigenart akzeptiert, es nicht auf sich bezogen, beinahe schon mögen gelernt. Sofern so etwas möglich war. Bestimmt konnte die Weiße mit den braunen Punkten noch eine Menge von dem Dunklen lernen. Auch wenn er sicher kaum älter als sie war, so schien er doch Fähigkeiten zu haben, die ihr einfach fehlten. Geduld. Innere Ruhe. Und vermutlich auch einen enormen Wissensschatz, Erfahrungen auf die er zu greifen konnte. Eine Welle von Trauer braute sich in Malaika zusammen. Durch ihre Vergesslichkeit konnte sie nur auf Instinkte zugreifen, Erfahrungen und Wissen glitten aus ihrem Kopf, sobald der Schlaf sie holte, und kurz war ihr, als müsse sie sich dem Selbstmitleid hingeben, ehe sie sich fasste und die dunklen Gedanken mit einem fließenden Kopfschütteln verscheuchte. Die Stimme des Hengstes half ihr dabei, lichtete den Nebel aus aufschreienden Fragen nach Sinn und Zweck ihres Daseins. Seine Worte waren wie ein kleines Versprechen und auch hier hielt sich Malaika diesmal zurück, blinzelte ihn nur dankbar an.

Die plötzliche Berührung des Hengstes, die ihrer kleinen, unbedachten Annäherung folgte, überraschte die Helle und kurz kräuselte sie beinahe erschrocken die Nüstern, weitere die dunklen Seelenspiegel. Nicht das es sich nicht gut anfühlte, geborgen und irgendwie wie Zuhause, sie hatte einfach nicht damit gerechnet. Es war das erste Mal, das der Dunkle die Distanz verringerte, sanft und nur ganz flüchtig seine Stirn an ihren Hals drückte. Da wo sich ihre Körper berührten fühlte es sich für die Helle an, als würde alles gut werden. Was auch immer das heißen mochte. Es lag keine Romantik dahinter, glaubte die Stute, und dennoch konnte sie so unglaublich viel Gefühl dahinter spüren. Und sie hoffte, der Dunkle fasste ihre im ersten Moment gezeigte Überraschung über seine Überwindung, die Berührung, nicht falsch auf. Das wollte sie auf keinen Fall. Es war schön sich Jemandem nahe zu fühlen, Jemand nahe sein zu können, einfach so, weil man sich sympathisch war und irgendwie zueinander fand, wie und warum auch immer. Das Lächeln auf ihren samten Lippen wurde etwas breiter, wärmer, verbundener und in ihren Augen lag ein undefinierbares Glitzern. Lebensfreude, wenn man genauer hineinsah. Davon hatte Malaika mitunter eine ganze Menge.

„Ja natürlich.“ sprudelte die Helle ihre Antwort beinahe hervor und spielte mit den Ohren. Eddie wollte etwas unternehmen? Da war doch noch so viel in ihm, was man ihm im ersten Augenblick ihres Treffens gar nicht zugemutet hätte. „Also...“ begann die Helle und ließ den Blick kurz wandern. Was konnten sie beide zusammen machen, ohne das es zu anstrengend oder zu persönlich war? Ein Wettrennen war sicher keine gute Idee und eigentlich war Malaika danach auch gerade nicht. „Wir könnten den Strand suchen und vielleicht den Sonnenuntergang anschauen?“ Kaum hatte die Helle die Idee ausgesprochen bereute sie es beinahe. Klang das vielleicht zu kitschig, romantisch, gefühlsduselig? Mit einem schiefen Lächeln blickte sie zu Eddie, wartete auf eine Reaktion, hoffte das er in diese Idee nicht irgendetwas rein interpretierte. Sicher war der Winter nicht die beste Jahreszeit um sich am Meer aufzuhalten, aber der Tag war mild, der Himmel klar, heute würde sich sicherlich ein wunderschöner Anblick bieten. Und vielleicht gab es dort in der Nähe einen etwas geschützten Platz, irgendwo bei den Dünen oder zwischen den Wurzeln einiger Bäume, wo man sich zur Nachtruhe legen konnte. Nicht das Malaika es eilig hatte, im Gegenteil, aber der Weg war sicher auch etwas länger und der Tag war, trotz das er schön und angenehm war, doch in irgendeiner Form anstrengend gewesen. Nicht, dass das was Schlechtes war. Im Gegenteil.

Malaika » 09.01.2022, 20:12 » Neuer Tag, neues Glück.

Nun war es Malaika, die den Blick betreten zu Boden senkte und mit einem undefinierbaren Ausdruck in den dunklen Seelenspiegeln auf das Wellenspiel des Flusses blickte. Irgendwie schienen ihre Worte, ihr Angebot, im Nachhinein doch sehr anmaßend und die Reaktion, die der Dunkle bei ihrem Vorschlag zeigte, bestätigte ihr Empfinden. Eddie wirkte als hätte man ihm direkt das eiskalte Flusswasser über den Körper gekippt. Die Helle konnte spüren, wie er erschrocken, vielleicht sogar geschockt, das Trinken unterbrach und sie anstarrte. Aus dem Augenwinkel konnte die Stute sehen, das er um Fassung bemüht war, seine Züge ihm kurz entgleisten, und er ihre Worte erst einmal verdauen musste. Vielleicht täte die Schimmelin gut dabei, so wie Eddie erst einmal nachzudenken, bevor man etwas aussprach. Manchmal war ihr Mundwerk einfach schneller, sie dachte nicht viel über Konsequenzen oder dergleichen nach. Vermutlich war das hier gerade ein großer Fehler gewesen? Just in dem Moment, wo Malaika sich entschuldigen wollte wegen ihrer unbedachten Aussage, erklang die Stimme des Hengstes. Malaika hob zögerlich den Blick, blinzelte Eddie entgegen. Er machte sich wirklich Sorgen darüber ihr den Tag zu verderben? Ein kurzes Ohrenspiel bei seinen weiteren Worten, welche es schafften das sich wieder ein seichtes Lächeln auf ihre noch angespannten Züge legte. Das er den Blick nun senkte, entging der Hellen nicht, und kurz wollte sie ihn wieder sanft berühren, ihm Wärme und Geborgenheit schenken, doch sie hielt sich diesmal zurück. Der Dunkle fühlte sich also wohl. Das konnte Malaika nachvollziehen. Ihr erging es ähnlich.

Ein Moment der Stille verging. Malaika ließ ihren Blick auf ihm ruhen. Nicht musternd, nicht drückend, einfach von Wärme durchzogen und Anteilnahme. Kein Mitleid, denn das schien Eddie nicht zu wollen. „Weißt du.“ begann die Stute mit leiser, zögernder Stimme und machte einen vorsichtigen Schritt auf den Dunklen zu. „Für mich würde sich das halt einfach so anfühlen. Ich kann das nicht genau erklären. Und wenn deine Mühen dann ganz umsonst wären? Dann will ich wenigstens etwas zurück gegeben haben. Verstehst du?“ Empfindungen waren schon was komisches. Hier stand der Hengst, beteuerte das sie ihn nicht ausnutzen würde, und sie empfand trotzdem so. Die feinen Ohren spielten. Malaika wollte nicht, dass das Ganze hier irgendwie bedrückend würde. „Es tut gut zu hören das dir unsere Begegnung etwas hilft. Ich würde nur gern mehr tun, weißt du? Nicht weil du mir leid tust. Einfach nur weil... weil ich mich eben auch... wohlfühle. Und ich deine Anwesenheit... genieße. Und irgendwie im Gegensatz dazu... ich mein...“ Die helle Stimme der Stute war leise und deutlich zögernd. Sie wusste nicht genau, was sie sagen sollte. Ob es angebracht war, was sie zusammen stotterte. Kurz ließ die Weiße mit den braunen Punkten den Blick wandern und am anderen Ufer verweilen, als wenn dort die Antwort auf alle ihre im Kopf herumgeisternden Fragen läge. Warum war sie, wie sie war? Warum konnte ihr Leben nicht einfacher sein? Warum? Warum? Warum? Die Stimme des Hengstes schaffte es nur mit Mühe durch die Gedanken, aber sie schafften es, das Malaika den Blick zurück lenkte und in die Situation zurückfand. Eine kleine, nachdenkliche Falte erschien auf der makellosen Stirn, die Ohren spielten. „Das denke ich doch nicht? Ich möchte von mir selbst heraus was geben. Freiwillig. Warum willst du mir denn helfen, hm? Denkst du ich erwarte das? Vermutlich handeln wir beide aus ziemlich gleichen Motiven.“ Malaika ließ offen was für Motive das waren. Eddie würde das schon wissen, da war sie sich ziemlich sicher. Er schien genau wie sie, selbstlos und im Wohle für andere zu handeln. Sofern die Sympathie passte.

Zeit verstrich, in der nur das Plätschern und Rauschen des Flusses die Stille zwischen ihnen fühlte. Malaikas Haupt rutschte unbewusst erneut in eine leichte Schieflage, die Ohren gespitzt, und ihr Blick versuchte zu erkennen was in Eddie vorging. Vielleicht sollte sie irgendwas machen, damit das Ganze hier nicht bedrückend und angespannt wurde? Oder war es dafür zu spät? „Es... es muss ja nicht heute sein... wir haben doch... Zeit... glaub ich... oder?“ Die leisen Worte der Stute schafften es trotz geringer Lautstärke das Rauschen und Plätschern zu übertönen. Der Klang ihrer Stimme war besänftigend, versöhnlich und zeigte, das sie scheinbar bereit war, seine Hilfe anzunehmen. Und sie sagten auch aus, das sie immer und jederzeit bereit wäre sich seine Geschichte anzuhören. Nur drängend wollte Malaika ihn nicht. Vielleicht hatte er ja vor ihr davon zu erzählen, nur irgendwann anders? Zu einer anderen Zeit? An einem anderen Ort? Ganz vorsichtig streckte die Helle erneut die Nüstern in Richtung seiner Schulter, hielt sich aber im letzten Moment zurück. Vielleicht war das jetzt nicht richtig, ihm schon wieder auf die Pelle zu rücken? Lediglich ihr warmer Atem streifte zart über sein Fell. Während Malaika seinen Duft einzog, breitete sich etwas in ihr aus. Eddie roch irgendwie nach Ankommen, nach Heimat, nach Sicherheit, und sie wusste urplötzlich tief in ihrem Innersten, sie würde froh sein über jeden Augenblick, den sie teilten, auch wenn sie ihn wieder vergessen würde. Und das überraschte die Helle. Warum? Sie kannten sich doch kaum. War es, weil ihre beiden Geschichten eine Bürde waren, die zusammen leichter zu ertragen war? Oder spielten einfach ihre Hormone da rein? Oder? Oder? Oder?

Malaika » 06.01.2022, 21:03 » Neuer Tag, neues Glück.

Nicht dafür. Die Worte Eddies klangen leise in den Ohren der Hellen nach. Aus ihnen sprach soviel Ehrlichkeit und Inbrunst, dennoch entschloss sich Malaika nicht darauf zu reagieren. Was auch sollte sie erwidern? Der Dunkle schien eh, als wäre die Sache damit erst einmal erledigt. Das er aufgegeben hatte, das glaubte die Helle weiterhin nicht. Oder wollte es nicht glauben. Die Hoffnung glomm, klein nur und leicht, aber sie war da. Der Gedanke daran einen Freund an der Seite zu haben, einen echten Freund, der sich aufopfern wollte und für sie da sein wollte über alle Widrigkeiten hinweg, war verlocken. Die Helle musste sich zusammennehmen um nicht in Träumereien zu verfallen. Das hier, das Reale, war viel zu angenehm, als das sie es mit Tagträumen verschwenden wollte. Wer wusste schon, wie lange das hier hielt? Vermutlich nur für diesen einen Tag. Aber der war es verdammt nochmal wert das man ihn schätzte und auskostete.

In den Gedanken verschwunden bemerkte die Stute kaum, dass Eddie damit zu kämpfen hatte, mit ihr Schritt zu halten. Sie war nicht rücksichtslos oder egoistisch, ihr war ob seiner positiven Wandlung während des Gespräches einfach entfallen, das sein körperlicher Zustand sich nicht von ein paar Bissen Nahrung soweit erholte, das er einfach mit ihrer Leichtigkeit Schritt halten konnte. Erst seine Worte, außer Atem hervor gebracht, holten die Weiße mit den braunen Punkten zurück in die Gegenwart. Augenblicklich verlangsamte die Stute ihren Lauf, ließ sich an die Seite des Hengstes zurückfallen und warf ihm einen entschuldigenden Seitenblick zu. „Tut mir Leid, ich war kurz in Gedanken.“ Sie wusste nicht, ob es diese Worte wirklich brauchte, immerhin war der Dunkle von verständnisvoller Art und der Ton seiner Stimme von leichter Selbstironie durchzogen, aber sie musste es los werden. Schließlich wollte sie ihn nicht vergraulen, fand seine Gesellschaft durch und durch angenehm, den Tag erhellend. Auch wenn er noch immer nicht das Bild bot, was er wohl mal irgendwann gewesen war, beeindrucken und eine Erscheinung. Seine Schritte, wenngleich sie nicht annähernd so kraftvoll und raumgreifend waren, wie sie es in einem gesundheitlich perfekten Zustand wohl sein würden, untermalten diesen Eindruck. Das Rauschen des strömenden Wassers wurde lauter. Sie waren auf dem richtigen Weg. „Wir sind gleich da.“

Als sich schließlich der Wald lichtete und den Blick auf den Fluss freigab, verlangsamte Malaika ihr Tempo weiter und hielt direkt am Ufer an. Hier brannte das Licht der Wintersonne, spiegelte sich grell im dahin plätschernden Wasser und wurde von dem glänzenden, hellen Fell der Stute förmlich reflektiert. Kurz warf die Schimmelin einen Blick zu Eddie, munterte ihn mit dem warmen Ausdruck darin zum Trinken auf. Sie selber verspürte keinen Durst. Der Lauf war für ihre Verhältnisse kurz und kaum kraftraubend gewesen. Ihm mochte das sicher wie ein halber Marathon vorgekommen sein. Während der Dunkle sich zum Trinken begab, beobachtete Malaika ihn. Nicht fixierend oder prüfend, auch nicht musternd, sondern einfach so. Warum war er eigentlich ganz alleine unterwegs? Er war doch Jemand, in dessen Gesellschaft man sich wie automatisch wohl und angenehm fühlte? Wieder erschien eine kleine, nachdenkliche Falte auf der sonst so makellosen Stirn der Hellen. Vielleicht? Ja, vielleicht. In ihren Augen blitze es kurz auf. Eine spontane Idee, aber irgendwie ließ sein Angebot sie nicht los. Warum nicht? Ein Versuch war es wert. Auch wenn er nun kein Wort mehr darüber verloren hatte. Die kleine Hoffnungsflamme in ihrem Inneren flackerte auf. „Ich biete dir einen Kompromiss an, okay?“ ließ die Stute ihre helle, reine Stimme zögerlich erklingen und spielte unsicher mit den Ohren. „Wenn dir wirklich daran liegt, mir helfen zu wollen, dann lass mich etwas für dich tun. Ich käme mir sonst vor als würde ich dich ausnutzen. Das möchte ich nicht. Ein Geben und Nehmen, in Ordnung?“ Eine kurze Pause, ein Blinzeln der Augen. „Ich biete dir an mir zu erzählen, was auch immer dir auf der Seele brennt. Und zwar bevor du versuchst mir Erinnerungen zu erhalten. Manchmal bringt es etwas Dinge auszusprechen. Und keine Sorge, ich würde mich nicht daran erinnern. Es wäre alles sicher.“ Und damit war es raus. Damit gab Malaika zu, das ihr nicht entgangen war, das der Hengst etwas mit sich herum trug, das ihm schwer auf den Schultern lastete. Vielleicht erfuhr sie so auch, warum er sie mitunter ansah, als würde er sie kennen, wo es doch anscheinend nicht der Fall war.

Malaika » 06.01.2022, 19:16 » Neuer Tag, neues Glück.

Malaika wandte den Blick zum Himmel, wo sie Wintersonne ihren Lauf nahm, ihr helles Fell bisweilen fast schon schimmern lies, und lauschte den Worten des Dunklen. Sie nahm sich zurück, wollte ihn erst fertig sprechen lassen. Sicherlich war Eddie ihr Zwiespalt nicht entgangen, dennoch besaß er den Respekt ihre Aussage hinzunehmen, sie zu akzeptieren, ihr sogar so etwas wie Recht zuzusprechen. Wie gerne würde die Helle sein Angebot annehmen. Es war löblich und selbstlos von ihm, einer doch noch recht Fremden seine Gesellschaft und Hilfe anzubieten. Woher nahm sich die Stute heraus, es ihm abzuschlagen? Malaika hatte doch gesehen, wie ihm dieser gefasste Plan Leben einhauchte. Wie seine Augen zu glänzen begangen hatten und seine Haltung sich unbewusst strafte. Oder führte der Hengst vielleicht etwas im Schilde. Die Stute blinzelte, wand ihre Augen wieder zurück auf seine Gestalt. Nein, er sah nicht aus wie Jemand der etwas im Schilde führte. Oder? Woher wollte sie das schon wissen, sie hatte ja keine Erfahrungswerte. Die weiteren Worte des Hengstes, deutlich aber nicht drängend gesprochen, erreichten die gespitzten Ohren der Hellen. Sie verrieten, das Eddie noch nicht aufgegeben hatte. Auch wenn er ihre Entscheidung, wenn es überhaupt eine war, akzeptierte. „Die Zeit zeigen.“ wiederholte Malaika leise geflüstert, kaum mehr als ein Windhauch in den Gipfeln der Bäume, und lächelte ihn sanft an. Vielleicht, ja vielleicht. Aber dazu würde es nicht kommen. Oder? „Danke.“ setzte die Helle noch zart hinzu und ließ offen, wofür sie ihm dankte. Eddie würde es schon verstehen. Oder?

Malaika hielt dem Blick des Hengstes stand und das leichte Lächeln, was sie nun in seinen Zügen sah, überraschte sie. Es war so ehrlich, herzlich und ihr fiel jetzt erst auf, das er seit Anbeginn der Unterhaltung kaum eine Regung auf seinen Zügen gezeigt hatte. Es stand ihm, das musste die Stute zugeben. Der Themenwechseln brachte die Weiße mit den braunen Punkten kurz aus der Fassung. Nur ein Moment, eine kleine nachdenkliche Falte auf der Stirn. Hatte er doch aufgegeben? Warum schlug er dann vor zusammen ein Gewässer zu suchen? Oder war das ein Versuch hinterrücks seinen Plan umzusetzen? Malaika schüttelte das Haupt, wollte die Freude dieser Begegnung nicht mit zu viel Denken schmälern. Mit gespitzten Ohren lauschte sie den Geräuschen die um sie herum herrschten und glaubte das Rauschen eines Flusses in der Nähe zu vernehmen. Leise nur, kaum wahrnehmbar, aber doch da. „Wenn ich richtig höre, dann dürfte ein Fluss nicht allzu weit weg sein.“ Ein leises Schnauben suchte sich den Weg an die Oberfläche, ehe Malaika den Blick wandern ließ und glaubte die richtige Richtung gefunden zu haben. „Ich glaube da lang.“ gab die Helle von sich, deutete mit dem Kopf in die benannte Richtung und setzte sich anmutig in Bewegung. Wie immer waren ihre Schritte flüssig, mit einer natürlichen Eleganz, das ihr Lauf beinahe einem Tanz glich. Sie schwebte förmlich, wirkte aber absolut nicht überheblich dabei. „Diese Sichtweise hat sich heute übrigens wieder bewahrheitet.“ warf die Stute dem Hengst noch zu, ein beinahe kesses Funkeln in den Augen. „Jeden Tag habe ich die Chance etwas Schönes zu erleben. Auch der heutige Morgen versprach etwas Tolles. Und bisher hat er mich nicht enttäuscht.“ Kurz warf die Helle einen Blick zurück, betrachtete den Dunklen mit einem wissenden Blick, ehe sie den Kopf herum warf und leichten Schrittes Richtung Fluss los trabte. Eddie würde ihr schon folgen, da war sie sich sicher.

Malaika » 06.01.2022, 12:38 » Neuer Tag, neues Glück.

Malaika beobachtete, was ihre Worte bei dem Dunklen auslösten, und versuchte die Stille zwischen ihnen, die Pausen im Gespräch, hinzunehmen, sie gar nicht weiter zu überdenken. Sie nicht als bedrückend und angespannt zu erfahren. Irgendwie schien es, als wenn Eddie diese Zeit brauchte, als wenn er über Worte erst nachdenken musste, ehe er sie beantworten konnte. Im Grunde eine gute Eigenschaft. Wie oft fielen viel zu schnell unbedachte Worte, die einen Anderen treffen, ja gar verletzten konnten? Der Hellen war, als schwappte etwas Mitgefühl von ihm zu ihr herüber. Der Ausdruck seiner Augen wurde irgendwie sanft, während der Hengst sie betrachtete, und aus seinen Worten klang leiser Optimismus. Malaika spielte kurz mit den Ohren. Würde sie sich je an irgendetwas erinnern? Wäre das möglich? Und wollte sie das überhaupt? „Wer weiß.“ gab die Stute leicht zögerlich von sich und wandte kurz den Blick ab. Hatte nicht alles einen Sinn? Vielleicht war ihre Vergesslichkeit ja ein Schutz. Ein Selbstschutz. „Es ist echt in Ordnung. Ich kenne es ja auch nicht anders. Immerhin hab ich einen Namen. Stell dir mal vor, ich würde mich nicht mal an den erinnern? Ich glaube das wäre weitaus schlimmer.“ Ein leises Lachen suchte sich den Weg an die Oberfläche, aber bei genauerem Hinhören könnte man meinen leichtes Bedauern zu hören. Malaika schüttelte kurz den zierlichen Kopf. Es war nun mal nicht zu ändern. Warum Gedanken daran verschwenden wie es wäre, wenn sie sich erinnern könnte. „Vielleicht ist es ja doch gut so. Vielleicht sind da Dinge, an die ich mich gar nicht erinnern will.“

Während die Helle in ihren Gedanken versunken über Dinge nachgedacht hatte, die vermutlich eh nie eintreten würden, hatte sich die Haltung des Dunklen abermals zum Positiven gewandelt. Etwas wie Lebensmut schien in ihm aufzuflammen. Ganz leicht nur, sacht, zaghaft, aber Malaika meinte es in ihm zu erkennen. Fast schien es als hätte Eddie einen Plan gefasst. Etwas, was ihn beinahe zu beflügeln schien. Auch wenn da noch ein leichtes Zögern war. Die Stute legte leicht den Kopf schief, spitze die Ohren. Wollte sie erfahren was in ihm vorging? Grundsätzlich schon, doch bevor sie fragen konnte, formte der Hengst weitere Worte. Die Schimmelstute stockte und abermals machte ihr Herz einen Stolperer. Vielleicht kann ich dir ja mit der Zeit helfen, dich zu erinnern. Eddies Worte klangen laut und lang in ihr nach. Es war nicht so, das Malaika es nicht freute, im Gegenteil, leise Hoffnung keimte in ihr auf und wollte sie überschwemmen. Doch das durfte nicht sein. Für Andere war sie sicher nur eine Last, vergesslich und anstrengend. Wollte der Dunkle sich das wirklich antun? Oder war das nur eine Floskel, wissend das die Stute es eh spätestens morgen nicht mehr wusste. Oder sah er tatsächlich etwas in ihr, etwas Bekanntes, wie sein Blick ihr nun schon mehrmals in der kurzen Zeit, wo sie hier weilten, verraten hatte? Eddie schien ihr beinahe ein Versprechen zu geben und das, obwohl sie sich noch nicht mal einen halben Tag kannten. Sein betretender Blick war zu Boden gerichtet, fast als käme ihm seine Aussage nun doch anmaßend vor, dumm und naiv. Der Dunkle tat ihr nicht leid, aber er bewegte etwas in ihr, und erneut trat ein zaghaftes Lächeln auf ihre weichen Lippen. Er hatte es sicher nicht böse gemeint. Ganz sicher nicht. Aber Malaika, sie war einfach Niemand für die Dauer, dessen war sie sich in Hinblick auf ihre Vergesslichkeit durchaus bewusst. Niemand tat sich so etwas freiwillig auf Dauer an. Oder?

Diesmal war es die Stute, die ein wenig Zeit vorbei streichen ließ, ehe sie sich zu einer Reaktion durchringen konnte. Vorsichtig, darauf bedacht den Dunklen nicht zu bedrängen, verringerte sie die Distanz. „Das wäre zu viel, Eddie. Das könnte ich niemals von dir verlangen.“ hauchte die Helle leise und in ihrer Tonlage schwang trotzdem Dankbarkeit mit. Ja, sie war dem Hengst dankbar, das er scheinbar solch ein Opfer bringen wollte. Einfach so. „Ganz davon ab das ich gar nicht weiß ob das je möglich wäre. Es wäre vielleicht nur Zeitverschwendung.“ Ganz zaghaft streckte Malaika die Nüstern vor, berührte den Braunen sacht an der Schulter. In dieser kleinen Berührung legte die Schimmelstute mit den braunen Punkten soviel Wärme und Dankbarkeit, wie sie konnte. „Ich komme zurecht. Das kam ich denke ich immer. Sonst wäre ich wohl nicht mehr hier. Ich habe jeden Tag alle Möglichkeiten offen, weißt du? So viele unzählige Chancen. Immer wieder aufs Neue. Ich erfreue mich immer wieder an jeder Kleinigkeit. Das hat doch auch was Gutes, oder nicht?“ Er sollte nicht versuchen sein Leben oder das was davon noch da war an sie zu verschwenden, während sie ihn jeden Tag aufs Neue kennen lernen musste. Das war wahrlich zu viel, auch wenn die Hoffnung in ihr wuchs, kratze und biss, an die Oberfläche wollte. Malaika wollte zustimmten, sich freuen und auf der Stelle tanzen, das da Jemand war, der bereit war bei ihr zu bleiben. Aber das konnte sie wahrlich nicht von Eddie verlangen, auch wenn er es angeboten hatte. Sie käme sich vor, als würde sie seine Gutmütigkeit und Freundlichkeit ausnutzen. Und so war sie nicht.

Malaika » 05.01.2022, 18:43 » Neuer Tag, neues Glück.

Malaika wäre beinahe zurück gezuckt, als Eddie sich das Büschel Grün aus ihrem Maul nahm, ganz vorsichtig und zaghaft, und dabei sacht eben dieses berührte. Sein Duft brannte in ihren Nüstern, aber nicht unangenehm. Die Helle konnte sich nicht daran erinnern jemals Jemanden so nah gekommen zu sein. Im Bewusstsein ihrer Vergesslichkeit war das aber auch kein Wunder. „Ich vergesse eben viel. Also eigentlich alles. Immer.“ setzte die Stute zögerlich zu einer Erklärung an, die helle Stimme leicht belegt, und senkte kurz den Blick. „Ich geh schlafen und wenn ich wieder aufstehe ist alles weg. Begegnungen. Situationen. Einfach alles.“ Man könnte meinen das ein bedauerlicher Schleier durch ihre Augen zog, welchen Malaika mit einem heftigen Schnauben verscheuchte. Jetzt war keine Zeit etwas zu bedauern, über die Tatsache in Trauer zu verfallen. Ändern konnte sie an dem Zustand eh nichts. „Nur meinen Namen behalte ich. Aber es ist okay, ich komm damit zurecht.“ Zumindest meistens. Es hatte ja auch seine Vorteile. Ob die jedoch die Nachteile aufwiegelten, wer wusste das schon. Die Schimmelstute jedenfalls nicht. Wie auch, sie wusste ja nicht was ihr jedes mal entfiel, welche Bekanntschaften, Momente und Augenblicke. Vielleicht war es gut, wenn sie immer nur schlechte Dinge durchlebte. Vielleicht war es weniger gut, wenn ihr viele tolle Tage fehlten. Das der Dunkle ihr anbot seinen Namen gerne zu wiederholen, ließ das Herz Malaikas einen kleinen Stolperer machen. Das hieß, er war bereit sich nochmals mit ihr zu treffen. Nicht das sie sich wirklich Hoffnung machte. Wer gab sich schon gern mit Jemanden ab, der immerzu alle Gemeinsamkeiten vergaß? Aber vielleicht half es dem Hengst? Vielleicht gab die Aussicht auf ein erneutes Treffen ihm ein wenig Kraft?

Genüsslich auf den Kräuter kauend beobachtete Malaika den Dunklen aus dem Augenwinkel. Er hatte sich für sein Mahl den Rand des kleinen Feldes ausgesucht, wo harte Gräser mit Moos vermischt zu finden waren. Vermutlich wollte er ihr nichts wegnehmen. Eddie schien mit jedem Bissen mehr zu Kräften zu kommen. Fast war es der Weißen mit den braunen Punkten als könne sie in seinem Blick etwas erkennen. Nicht mehr nur Leere und Schwärze. War da nicht so etwas wie ein kleines Leuchten, kaum wahrnehmbar, ob der Tatsache das sie hier standen. Sie Beide. Zusammen. Nicht einsam. Sein leises, zaghaftes Danken klang wie ein Kompliment und sein kurzer Blick herüber traf die Helle irgendwo. Wo genau konnte sie selbst nicht genau benennen. „Nicht dafür.“ hauchte Malaika leise zurück, die Stimme hell und voll von Wärme, auf den Lippen ein ehrliches, sanftes Lächeln. Irgendwas hatte dieser Dunkle an sich. Sicher war er eine tolle Persönlichkeit, das konnte die Stute auch nach dieser kurzen Zeit schon erahnen. Freundlich. Höflich. Sanft. Zuvorkommend. Jemand mit dem man sich gerne umgab. Eine angenehme Gesellschaft, vielleicht sogar ein guter Freund. Wenn da nicht scheinbar irgendwas gewesen war, was ihn letztlich in diesen Zustand der Resignation und Leere gebracht hatte.

Über all das Denken vergaß Malaika das Kauen. Ihre Augen lagen ruhig auf der Gestalt des Hengstes, der hin und wieder ihren Blick kreuzte, die Augen nun etwas mit Leben gefüllt. Die Helle fühlte sich wohl, anders konnte man das nicht benennen. Der Tag hatte nicht zu viel versprochen. Ob der Hengst ebenso empfand? Malaika war sich nicht sicher, glaubte aber in seiner Gestalt irgendwie etwas wie Sympathie für sie zu erkennen. Vielleicht würde er ihr, eines Tages, irgendwann, erzählen was ihn so bedrückte, in in diesen Zustand trieb. Was hatte Eddie schon zu verlieren? Die Stute vergaß es ja eh wieder. Und vielleicht tat es ihm gut sich einfach mal den Ballast von der Seele zu reden? Irgendwann würde die Schimmelstute ihm das anbieten. Wenn es überhaupt ein irgendwann gäbe, ein weiteres Treffen. Immerhin, wer gab sich schon mit so Jemanden wie sie es war gerne und dauerhaft ab? Das war sicher mehr als anstrengend, wenn man genauer darüber nachdachte.

Malaika » 04.01.2022, 20:46 » Neuer Tag, neues Glück.

Stille legte sich zwischen die Beiden. Irgendwo im Wald rief ein einsamer Vogel ein kurzes Lied. Malaika hielt ihren Blick auf den Dunklen gerichtet ohne diesen dabei allzu sehr zu fixieren. Sie wollte ihn nicht festnageln, aber eben auch nicht das er dachte sie hätte kein Interesse an Gesellschaft. Irgendetwas in dem Blick des Fremden erweckte ihre Aufmerksamkeit. Er sah sie nicht an wie eine Unbekannte, eher wie eine enge Vertraute. Da war so ein Glänzen und Glitzern in der scheinbar endlosen Tiefe, das sich die Helle nicht erklären konnte. Kannten sie sich also vielleicht doch? Noch hatte der Hengst ihr keine Antworten gegeben und übte sich in Schweigen. Kam es Malaika nur so vor oder war wahrlich schon eine halbe Ewigkeit wortlos vorbei gestrichen. Das Schweigen weckte die Unsicherheit in der hintersten Ecke ihrer Selbst erneut. Kurz spielten die fein geschwungenen Ohren der Hellen, während die Gedanken rasten ohne das sie sie wirklich fassen konnte. Wohin sie rasten oder weswegen, auch das war der Weißen mit den braunen Punkten nicht klar. Manchmal taten das Gedanken, zumindest ihre. Einfach so. Und manchmal auch ohne wirklichen Grund.

Gerade als Malaika erneut ansetzten und die fast schon bedrückende Stille, die vermutlich nur sie selbst so empfand, verscheuchen wollte, erhob der Dunkle endlich wieder seine Stimme. Ein erleichtertes leises Seufzen kam der Hellen über die Lippen, die sich wieder zu einem leichten, seichten Lächeln formten. Ohne dem Hengst ins Wort zu fallen nahm die Schimmelstute seinen hastigen Rückschritt wahr, der ihr den Weg zu den Kräutern freimachte, die sie jedoch erst mal keines Blickes würdigte. Wie unfreundlich das wäre einfach im Gespräch das Maul zu versenken und zum Fressen anzufangen. Der Dunkle sprach nach einer kurzen Pause weiter, stellte sich vor. Als ob das bei der Stute etwas brachte. Nun gut, das konnte er nicht wissen. Das er sich fast schon unbeholfen entschuldigte ließ Malaika kurz stocken. Aber nicht nur das. Es war der Tonfall seiner Stimme. Sie klang melancholisch, beinahe schon leer und resigniert. Also hatte sich die Helle vorhin doch nicht getäuscht, als sie meinte so etwas in der Luft zwischen ihnen gespürt zu haben. Und doch war da noch mehr. Eddy, wie er sich vorgestellt hatte, schien grundlegend freundlich und gutmütig, zeigte Anstand und Höflichkeit. „Nun, das könnten wir ja im Grunde ändern.“ ließ die Helle schließlich mit heller Stimme, in der ein Hauch Unsicherheit lag, erklingen, als der Dunkle zugab, das sie sich nicht kannten. Warum schaute er sie dann so an, teilweise, als wäre sie eine enge Vertraute? Wieso schien es Eddy so zu treffen, das sie sich unbekannt waren? „Also natürlich nur wenn du willst.“ Vermutlich wollte er. Immerhin war er noch nicht gegangen. Und sie hatte ihm ja die Wahl gelassen. Vielleicht war ihm aber auch nur langweilig. Wer wusste das schon. Schade drum, das Malaika nach ihrem nächsten Schläfchen all das hier würde vergessen haben. Nicht das sich die Helle darüber gerade allzu sehr den Kopf zerbrach. Oder? „Es tut mir übrigens sehr leid das sagen zu müssen, Eddy, aber ich werde deinen Namen nicht im Kopf behalten können.“ Oder dieses markante Gesicht. Oder überhaupt irgendetwas von dem hier. Malaika legte den Kopf schief, versuchte zu erkennen was das in dem Dunklen auslöste. Warum sollte sie da auch einen riesiges Theater drum machen. Manchmal war Ehrlichkeit nicht verkehrt. „Ich bin etwas.... vergesslich.“ Hatte es da überhaupt einen Sinn sich näher kennen zu lernen?

Ein Grummeln aus der Magengegend erinnerte die Helle schließlich daran, warum sie ursprünglich zu diesem Platz gegangen war. Eddy hatte ihr bereitwillig Platz gemacht, sie sogar zweimal aufgefordert sich zu bedienen. Zögerlich schritt die Stute etwas näher an das verführerische Grün, hielt den Blick aber weiter auf den Dunklen gerichtet. So aus der Nähe konnte Malaika das ganze Ausmaß, anders war es gar nicht zu beschreiben, erkennen. Wusste der Hengst was für ein Bild er abgab? Bei genauerem Hinsehen konnte man sogar seine Rippen erkennen. Viel war nicht mehr von einer vermutlich ziemlich beeindruckenden Statur über. Das Fell matt und stumpf, die Augen tief dunkel und fast zur Gänze leer. Wie konnte er da behaupten keinen Appetit zu haben? War das reine Höflichkeit gewesen? Immerhin war das, was da zu ihren Hufen wuchs, kaum genug um ein Maul zu stopfen. Die Weiße mit den braunen Punkten blinzelte, ehe sich ein kleines Glitzern in ihre Augen schlich. Sie verfiel nicht in Mitleid oder dergleichen, sprach ihn auch nicht auf seinen Zustand an. Eddy wirkte nicht so als wäre ihm das genehm, aber einfach so zusehen konnte sie dann auch nicht. Zielstrebig vergrub die Helle ihr Maul schließlich im Grün, nahm sich einen Bissen, ehe sie sich ein Büschel zupfte und dem Dunklen hinhielt. „Ich möchte nicht diskutieren und ich glaub dir auch, das du keinen Appetit hast. Aber du solltest trotzdem was essen.“ Die feine, helle, melodische Stimme der Stute klang sanft und bittend. Vielleicht würde er ihr den Gefallen tun. Vielleicht auch nicht. Und auch wenn das für sie Beide hier nicht reichen würde um sie für den Tag zu sättigen, es gab so viele Orte in diesem Tal. Dann mussten sie halt noch etwas suchen gehen. „Und übrigens muss es dir auch echt nicht leid tun das du nicht weißt was du sagen sollst. Man muss nicht immer reden. Schweigen ist manchmal auch ganz angenehm. Ganz so wie du magst. Ich bin für alles zu haben.“

Malaika » 02.01.2022, 21:59 » Neuer Tag, neues Glück.

Malaika war so in dem Anblick der Kräuter gefangen, ihr leerer Magen grummelte in freudiger Erwartung, dass ihr der Fremde, der sich am Rande der kleinen Fläche im Schutz der Bäume des Waldes aufhielt, völlig entgangen war. Erst seine Stimme, wohlklingend und im Grund viel zu leise für Jemanden mit seiner Statur, ließ die Helle ins Hier und Jetzt zurück stolpern. Leicht überrascht, einen Ausfallschritt tätigend, kam die Stute zum Stehen. Die dunklen Seelenspiegel geweitet, musterte sie den Dunklen, der im Schatten des Waldrandes nur bei genauerem Hinsehen zu erkennen war. Warum schlich er hier umher, bemüht darum ungesehen zu bleiben. Oder mochte das täuschen? War sie vielleicht einfach nur zu abgelenkt gewesen? Malaike räusperte sich, leicht verlegen, spitze die Ohren und zauberte sich ein seichtes Lächeln auf die Lippen. "Verzeihung." ließ die Helle ihre reine, feine Stimme erklingen. "Ich habe dich einfach nicht gesehen." Eine lahme Entschuldigung. Aber immerhin eine Entschuldigung. "Ich wollte dir nicht im Weg umeinander gehen. Nur die Kräuter da..." Malaika deutete mit einer leichten, flüssigen Kopfbewegung auf das Gewächs zu seinen Hufen. "Ich weiß nicht wann ich zuletzt etwas zu mir genommen habe." Noch ein Makel ihrer Vergesslichkeit. Nicht zu wissen wann, wo und was man zuletzt zu sich genommen hatte. Es konnte sicherlich passieren, das ihr tagelang die Nahrung fehlte, ohne das sie sich dessen bewusst war.

Malaika ließ so unauffällig wie möglich ihre Augen über sein Erscheinung wandern. Der Dunkle war größer, beeindruckender von der Statur her, aber dennoch wirkte er irgendwie einfach müde, ausgelaugt und beinahe schon am Ende. Oder bildete sich die Helle das nur ein? Es lag etwas Rastloses und gleichzeitig Resigniertes in der Luft zwischen ihnen, was die Stute sich nicht genau erklären konnte. Aber für so viele Dinge hatte sie keine Erklärung. Ihre Existenz zum Beispiel. Wo kam sie her? Wo ging sie hin? Ein kurzes Kopfschütteln, welches Malaika in die Gegenwart zurückholte. Gesellschaft war nie gut um in Gedanken zu versinken. "Tut mir Leid, ich hab mich gar nicht vorgestellt. Wie unhöflich von mir." Die Helle nickte kurz, ehe sie ihr Haupt in leichte Schieflage versetzte, was ihr einen beinahe verschmitzten Ausdruck verlieh. "Man nennt mich Malaika." Immerhin etwas, an das sich die Stute immer erinnern konnte. Ihren Namen. Und ihr Alter. Warum auch immer es gerade diese zwei Dinge waren. Sie fragte nicht nach seinen Namen. Spätestens morgen wäre er vergessen, warum also danach erkundigen? Ob er sich wohl an ihren erinnern würde? Vermutlich. Bisher hatte die Stute noch Niemanden getroffen, der so wie sie an Vergesslichkeit litt. Wobei, woher sollte sie das wissen? Vermutlich hatte sie es einfach vergessen. Wie alles. Und jeden.

Das Rumoren in dem Magen der Hellen wallte zusammen mit einem lauen Lüftchen über die Lichtung. Verlegen ließ Malaika die Ohren spielen und schielte zu den saftigen, verlockenden Kräutern am Boden. Sie waren mager, sicherlich nicht genug um sie für einen Tag zu versorgen, aber besser als nichts. Anstand war es, der die Helle zurück hielt. Es gehörte sich sicherlich nicht, einfach so das Maul vor einem Unbekannten im Gras zu versenken. War der Dunkle überhaupt Unbekannt? "Wir kennen uns nicht zufällig, oder? Sind wir uns mal irgendwo über den Weg gelaufen?" Leichte Unsicherheit schwang in der hellen, sanften Stimme der Schimmelstute mit. Wie auch sollte sie sich sicher sein? Das konnte sie nicht. Nicht einmal wenn der Dunkle verneinte. Er konnte sie ja auch genauso gut belügen. Sie würde es niemals raus finden. Der Glanz in den Augen der Stute nahm einen leicht argwöhnisch Ausdruck an, während sie den Hengst nochmals musterte, versuchte sich zu erinnern. Als ob das je etwas gebracht hätte. "Falls nicht, dann lass dich bitte von mir nicht aufhalten." Zögerlich trat Malaika einen Schritt zurück. Nicht das sie ihn loswerden wollte, aber irgendwie war ihr, als hätte er nicht wirklich das Bedürfnis zu reden. Oder wünschte sich Gesellschaft. Sie schon. Irgendwie zumindest. Gerade jetzt, an diesem schönen Wintertag, wo die Sonne ihr helles Fell erwärmte, sie erstrahlen ließ, und der Tag jede Menge Möglichkeiten offen hielt. Es war sehr einsam, wenn man immer jede Begegnung und Bekanntschaft vergaß. Und manchmal tat die Einsamkeit schon arg weh. 

Malaika » 02.01.2022, 18:34 » Neuer Tag, neues Glück.

Zeit war schon etwas Komisches. Sie rannte davon oder stand auch mal still. Nie war sie greifbar. Nichts was man anfassen und halten konnte. Egal wie sehr man das auch eventuell wollte. Sie war da, immer und überall. Und irgendwie auch nie. Genauso wie es die Erinnerungen von Malaika waren. Die Schimmelstute wusste, sie lebte und sie hatte gelebt, aber was da widerfahren war, hinfort. Als wenn es alles vor ihr davon lief. Wie die Zeit manchmal. Bekanntschaften verflogen, jedes Gesicht war ihr immer wieder aufs Neue fremd. Wie sie hier her gekommen war? Ungewiss. Irgendwann hatte sich die Junge damit arrangiert. Das war ihr Leben. Kein besonders Schönes – oder doch, schließlich erinnerte sie sich ja nicht - aber immerhin ein Leben. Man konnte über die Tatsache, das man morgens aufwachte und nicht mehr wusste was am Vortag, überhaupt an irgendeinem Tag im Leben, passiert war, verzweifeln und zerbrechen, aber die Weiße mit den braunen Punkten war nicht so. Jeder Tag war eine neue Chance. Natürlich war es komisch und vielleicht auch etwas bedrückend, das man sich nicht an schöne Dinge erinnerte, Momente die man im Augenblick des Geschehens gerne für immer bei sich behalten wollte. Aber so gar keine Erinnerungen beinhaltete auch, dass man sich nicht an dunkle Tage erinnerte. Und das wiederum war ja irgendwie gut. Oder nicht?

Malaika streckte die müden Glieder, ehe sie sich anmutig erhob und den Schlaf vom Körper schüttelte. Ein neuer Tag. Eine neue Chance. Irgendwo im nahen Wald schrie ein einsamer Vogel sein Lied. Ob es wohl derjenige hörte, für den es bestimmt war? Ein lauer Windhauch kämpfte sich durch die Bäume am Rande der Lichtung, verfing sich im seichten Langhaar der Hellen, ehe er sich wieder auf und davon machte. Die Luft roch frisch und rein, wenngleich sie im Hauch etwas frostig schmeckte. Der Winter war allgegenwärtig, auch wenn er sich dieser Tage gnädig zeigte. Kein Schnee, zartes Grün hier und da, die Temperaturen fast schon frühlingshaft. Auch der blaue Himmel versprach einen Tag den man zumindest wettermäßig gut aushalten konnte. Mit wachen Augen blickte die Helle sich um, lauschte dem Rauschen des gar nicht soweit entfernten Wasserfalls. Zuerst zum Wasser? Oder doch erst etwas für den leeren Magen suchen? Ein wenig unsicher was das Schlauste an diesem Wintermorgen war, tänzelte Malaika mit spielenden Ohren auf der Stelle. Erst das leise Grummeln ihres Magens holte sie aus ihren Gedanken. Scheinbar wusste der Körper besser Bescheid, was das Sinnvollste war. Instinkte waren schon irgendwie toll. An die musste man sich nicht erinnern. Die waren einfach nur da.

Suchend wanderten die dunklen Seelenspiegel der Schimmelstute die nähere Umgebung ab. Sie befand sich auf einer Lichtung mitten in einem Wald. Ob sie hier schon einmal weilte war ihr nicht bewusst. Aber es war auch nicht von Belangen. Zuviel über Dinge grübeln, die man nicht ändern konnte, brachte nichts. Außer vielleicht Kopfschmerzen. "Ha!" entkam es der Stute mit glockenheller Stimme, als sie am gegenüberliegenden Waldrand ein paar Kräuter entdeckte, die ihr durchaus als Frühstück dienen konnten. Immerhin keine ewige Suche nach etwas Essbarem, wie es oft im Winter, gerade bei Schnee und Eis, der Fall war. Mit federleichten Schritten schwebte die Helle über den Boden. Es glich mehr einem Tanz, als einem Lauf. Von außen betrachtet mochte das vielleicht übertrieben, gar arrogant wirken, aber es war einfach ihre Art. Die Anmut in jeder ihrer Bewegung war der Hellen in die Wiege gelegt und ihr selbst war manchmal gar nicht bewusst, wie leicht und fein sie sich zu bewegen vermochte. Und das sie durchaus eine gewisse Anziehungskraft hatte und wie ihr weißes von kleinen braunen Punkten übersätes Fell im Licht der Wintersonne förmlich strahlte.

Malaika » 16.12.2017, 21:11 » Beste Freunde #4
Vielleicht?
Malaika » 16.12.2017, 19:24 » Traumpartner #6
Ganz Vielleicht
Malaika » 14.12.2017, 17:04 » [NP] Burg Drachenstein

Staubfinger



Dem Unbekannten schien es genau wie der Stute zu gehen. Auch er schien erschrocken, wich nach hinten aus und schaffte damit wieder Distanz zwischen ihnen. Trotzt allem lag ein leichtes Schmunzeln auf seinen Zügen, welches Malaika nur zu deutlich entgegensprang, während der Hengst sie kurz musterte. Sie tat es ihm gleich, ließ die dunklen Seelenspiegel einmal über seinen Körper gleiten. Er war, ebenso wie die Fliegenschimmelstute, von zierlicher Natur, auch wenn er im Gegensatz zu ihr massiger wirkte. Da war er scheinbar typisch Hengst. Hier und da war Malaika, als könne sie unter dem Fell Muskeln erkennen. Die Stimme, die der Fremde dann erklingen ließ, hallte leicht von den felsigen Wänden wieder. Sie war dunkel, aber nicht gefährlich. Eher ruhig, bedacht. Die Stute spielte leicht mit den Ohren. Irgendwie klang sie durchaus angenehm. „Im Grunde weiß ich auch gar nicht, wie ich hierhergekommen bin.“ erwiderte die Helle mit leicht entschuldigender, aber auch unsicherer Stimme. Es stimmte ja. Sie war einfach inmitten den Gemäuern aufgewacht und hatte mal wieder alles vergessen.

Das Tosen des Meeres füllte die Stille zwischen Ihnen. Malaika war beinahe, als wenn der Hengst lieber in Einsamkeit geblieben wäre, doch einfach so davon ziehen war einfach nicht ihre Art. Irgendwie wäre das doch unhöflich? Und, wenn es ihn wirklich störte, dann könnte er ja einfach von dannen ziehen? Zwischen den dunklen Augen der Hellen erschien eine kleine, nachdenkliche Falte, während sie erneut den Blick über den Gegenüber gleiten ließ. Zumindest wirkte er weder gefährlich noch als wenn er böse Absichten hätte. Auf die Züge des Schimmels legte sich ein weiches Lächeln, ehe er erneut seine angenehme Stimme erhob, sich ihr breitwillig vorstellte. Am liebsten hätte Malaika im zu verstehen gegeben, dass Namen in ihrer Welt Schall und Rauch waren, immerhin würde sie sich spätestens morgen nicht mehr daran erinnern, aber ihr Anstand rief sie zur Ordnung. „Oh, natürlich. Verzeihung.“ Brachte die Helle etwas zu hastig hervor, ehe sie das zierliche Haupt schüttelte. „Mich nennt man Malaika.“ Immerhin etwas, woran sie sich erinnern konnte, weshalb auch immer. Sie war in all den Jahren einfach nicht dahinter gekommen, warum gerade ihr Name und Alter ihr erhalten blieb. Oder warum manchmal so Geistesblitze auftauchen, wobei sie das des Öfteren auf die Instinkte schon. Oder warum wusste sie, wovor man sich lieber in Acht nahm oder bei wem man vorsichtig sein musste?

Malaika » 13.12.2017, 23:28 » [NP] Burg Drachenstein

Staubfinger



Das Geräusch leichtfüßiger Schritte hallte klar und deutlich von den felsigen Wänden wieder, zwischen denen sich die Verursacherin der Geräusche einen Weg bahnte. Ihre Bewegungen ähnelten mehr einem Tanz, als einem einfachen Lauf. Das war normal. Das war einfach Malaikas Art. Das Geräusch des tosenden Wassers, weit unterhalb der Burg, durch die die Fliegenschimmelstute schritt, war laut, fast schon bedrohlich. Doch die Burg hatte vermutlich schon Jahrhunderte der Naturgewalt getrotzt, hoch oben auf dem Fels, da würde vermutlich nicht gerade jetzt alles einstürzen. Oder? Die Stute hielt inne, spielte mit den Ohren, lauschte auf verdächtige Geräusche. Doch mehr als das übliche Tosen war nicht zu hören. Obwohl, war da nicht ein Atemgeräusch?

Malaika zuckte förmlich zusammen, als das Geräusch scharrender Hufe ganz aus der Nähe erklang. Ihr Blick suchte, doch in den vielen dunklen Ecken des Gemäuers war kaum etwas zu erkennen. Im Augenwinkel konnte die Helle einen huschenden Schatten erkennen, doch ehe sie sich ihm zuwenden konnte, war er verschwunden. Und dann tauchte urplötzlich aus dem Dunkeln direkt vor der Stute ein Hengst auf. Einfach so. Die Stute zuckte zusammen, machte einen Ausfallschritt nach hinten und kollidierte mit einer der kalten, grauen Wände. „Verdammt.“ entfleuchte Malaika erschrocken, ehe sie sich letztlich doch noch fing, ihre Augen direkt in den Blick des Unbekannten legte. Was war denn auch so schlimm daran auf einen Artgenossen zu treffen? Der würde sie wohl kaum den Erdboden platt machen? „Tut mir leid, ich hatte nicht mit Jemanden gerechnet.“  erklärte die Helle mit reiner, heller Stimme und legte auf die samtweichen Lippen ein entschuldigendes Lächeln.

Malaika » 09.09.2017, 21:10 » Das Moor #1

Riako



Es vergingen Sekunden. Minuten. Die so absolut vollkommene Stille an diesem Ort konnte einen wahrlich beunruhigen. Doch Malaika harrte ruhig, während die feinen Ohren sich immer wieder zu allen Seiten drehten, versuchten erneut etwas zu vernehmen. War dort wirklich Jemand oder hatte die Helle sich das Geräusch nur eingebildet? Über den fast schon beißenden Gestank des Moders war es fast unmöglich etwas anderes als eben das zu riechen. Kurz wand die Fliegenschimmelstute den Kopf, doch die Dunkelheit, die ihrem Empfinden nach immer stärker wurde, erschwerte ihr die Sicht. Das Glück hatte Malaika heute wirklich nicht gepachtet. Im Gegenteil, es schien als wollte das Schicksal es ihr heute so richtig zeigen. Oder hatte sich die Welt gegen sie verschworen? Gab es denn dafür einen Grund? Wenn ja, würde sie es kaum wissen. Wie auch, wenn man immer alles vergaß.

Dann waren da urplötzlich wieder Geräusche. Keine knackenden Äste, sondern das schmatzende Geräusch des Schlamms, der sich an etwas festsaugte und es nur widerwillig wieder freigab. Malaika blähte die Nüstern, doch es brachte nichts. Sie konnte nicht wittern was oder wer sich ihr näherte. Eine Stimme erklang, welche trotz der offensichtlichen Fröhlichkeit einen Instinkt in der Hellen weckte. Irgendwie war da so ein brummender, fast schon knurrender Unterton. Und bevor die Schimmelstute überhaupt darüber nachdenken konnte, welche Wesen so klangen, erblickten ihre Augen den Unbekannten. Sofort schrillten alle Alarmglocken. Das war ein ausgewachsenes weißer Tiger. Ein Raubtier, welches schnell, viel zu schnell auf sie zukam. Und sie fiel sehr wahrscheinlich in sein Beuteschema. Zumindest sagte ihr das ihr Instinkt, denn auf Erfahrungswerte konnte sie ja kaum zurückgreifen, so ohne Erinnerungen an frühere Begegnungen mit Räubern. Wohin? Wohin nur?

Bevor Malaika auch nur einen Schritt machen konnte stand dieser riesige Räuber vor ihr. Er war groß, größer als sie zuerst gedacht hatte. Panik stand in den dunklen Augen der Stute, die hektisch die Lage checkte und sich schon fast in den Fängen ihres Gegenübers sah. Aber allen Instinkten zum Trotz, sie stand noch immer einfach nur da, vermutlich auch weil sie keine schlechten Erinnerungen ihr Eigen nennen konnte, vor ihr der Tiger. Und er schien so auf der Nähe absolut nicht gefährlich. Seine Stimme, die erneut die Stille durchschnitt, klang auch irgendwie nicht drohend. Im Gegenteil. Er stellte sich überschwänglich vor. War das da Freundlichkeit, die in den stechenden Räuberaugen glänzte? Malaika war verwirrt. Die Ohren spielten unsicher, während sie versuchte das, was sich gerade direkt vor ihr abspielte, zu verstehen. Warum war sie noch nicht tot? Oder überhaupt verletzt? Warum stand dieser eigentlich natürliche Feind nur da, scheinbar erfreut über pferdige Gesellschaft, und benahm sich einfach nur nett, höflich, freundlich?

Ehe die Stute irgendwie auf diese ganze skurrile Situation reagieren konnte, legte sich der Räuber – eigentlich bekannt als geschickter Jäger – vor seiner natürlichen Beute auf die Schnauze. Es ging so schnell, das Malaika gar nicht wirklich mitbekam, wie es geschah, und so fix, das spontan alle Instinkte vergessen waren und sie einfach nur reagierte, wie sie immer reagierte. Hilfsbereit. Ohne weiter über eventuelle Gefahren nachzudenken bewegten sich die zierlichen Beine der Hellen wie von selbst nach vorne, ehe sie den Kopf nach vorne streckte und versuchte den Tiger zu stützen. Als das samtene Maul der Fliegenschimmelin das Fell des Räubers berührte, sie seine Wärme und Nähe spüren konnte, ging ein doch irgendwie angenehmer Schauer durch ihren Körper. Eine Mischung aus unterschiedlichsten Empfindungen. Als Riako sich dann schüttelte, war die Helle endlich fähig zu einer Reaktion. „Ich bin Malaika.“ stellte sie sich mit heller, reiner Stimme vor, nicht sicher ob es eigentlich gut war sich seinem Feind vorzustellen. Aber war er überhaupt ein Feind? Immerhin lebte sie noch. „Wie kommt es das du mich gar nicht angreifst?“

Malaika » 08.09.2017, 12:20 » Das Moor #1

Wer mag?



Sich an Nichts, an absolut gar Nichts erinnern zu können hatte schon so seine gewissen Vorteile. Man lernte jeden Tag neue, spannende Dinge kennen. Nun ja, manche Sachen waren nicht wirklich neu, weil man sie schon mal erlebte, aber sich halt einfach nicht daran erinnern konnte. Also waren es im Grunde doch nur immer die gleichen Dinge, die man kennen lernte. Man konnte auch immer wieder neue Persönlichkeiten treffen. Selbst welche, die man vielleicht bereits irgendwann einmal getroffen hat. Das Beste war mit Abstand jedoch, dass man sich an schlechte Dinge, die einem widerfahren waren, einfach nicht mehr erinnerte. Somit gab es es diese negativen Augenblicke nicht mehr, zumindest nicht am nächsten Tag. Man musste einfach nur seine Augen schließen, ins Traumland gleiten und am nächsten Morgen würde das Leben einfach neu beginnen. Ein Buch, mit leeren Seiten, welches man jeden Tag aufs Neue beschreiben konnte. Leider hatte solch eine Vergesslichkeit auch nicht zu unterschätzende Nachteile. Zum Beispiel nicht zu wissen, wem man als Gegenüber hat und woher dieser Unbekannte den eigenen Namen kennt. Die ganzen Fragen, woher man sich kennt und was man zusammen erlebt hat. Aber auch einfache Sachen wie wann man das letzte Mal etwas zu sich genommen hat und wo man eigentlich lebte.

Es war kalt an diesem Ort. Fast schon eiskalt. Der Wind, der vom Meer her über das Land fegte, zumindest ließ der salzige Geschmack, der beim Atmen auf der Zunge zurück blieb, das vermuten, wirbelte einige Blätter vor sich her. Zumindest schien die Sonne hoch am Himmel, so kräftig und doch nicht fähig das Moor ausreichend zu erwärmen. Es war einfach kein gemütlicher Ort, das konnte man drehen und wenden wie man wollte. Und auch wenn der letzte heftige Regen sicher schon einige Zeit her war, hier stand das Wasser förmlich. Überall war der Boden moderig, an manchen Stellen war das Brackwasser fast knietief und wenn man nicht aufpasste, wohin man trat, konnte es sehr schnell vorbei sein. Die zierliche Stute, die sich leicht und fast schon tänzerisch durch das ungemütliche Gebiet bewegte, schien das kaum zu stören. Fast schon instinktiv wich sie geschickt jedem tiefen Modderloch aus. Das Geräusch, was entstand, wenn sich der durchgeweicht Boden, welcher sich bei jedem Schritt erneut an den Hufen festsaugte, eben diese widerwillig frei gab, hallte klar und deutlich durch das Moor hindurch. Vermutlich begaben sich nur Wahnsinnige oder Lebensmüde her.

Das Knacken von Zweigen ließ Malaika innehalten. Ihre dunklen Augen suchten kurz die Umgebung ab, auch wenn kaum etwas zu erkennen war. Wurde es tatsächlich dunkler oder kam der Hellen das nur so vor? "Hallo?" rief die Stute mit heller, feiner Stimme in die Stille des Dickichst. Wo genau das Geräusch hergekommen war, konnte man kaum ausmachen. Als wenn der Modder und Schlamm alles schluckte, sich einen Spaß daraus machte die Besucher damit zu verwirren. Vielleicht war es auch nur ein Vogel gewesen. Obwohl, verirrten die sich in solchen Gefilde überhaupt? Im Augenwinkel konnte die Schimmelin einen Schatten wahr nehmen, doch als sie ihr zartes Haupt in die Richtung gedreht hatte, war da nichts mehr. Vielleicht spielte ihr auch einfach nur der Kopf einen Streich. Wann hatte sie das letzte Mal etwas gefressen? Oder getrunken? Es war irgendwann in den frühen Morgenstunden gewesen. Vielleicht wurde es einfach wieder Zeit. Gerade als sich Malaika umdrehen und den Weg zurück schreiten wollte, erklang wiederholt das Knacken von morschem Holz. "Hallo?" rief die Fliegenschimmelstute erneut in die Stille hinaus, spielte leicht mit den feinen Ohren. Ob hier wirklich noch Jemand war? Ein wenig Gesellschaft konnte sicher nicht schaden. Die Letzte war viel zu lang her, oder? So genau konnte Malaika das nicht sagen, sie erinnerte sich ja nicht einmal daran.

Seite: 1 2
Deine Suche ergab 21 Treffer.