Stillreich » Adoyan Enay » Nunataq #1
» Lisa
Asche auf Wolle


VornameLisa Sue
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RPG-BeiträgeØ 423 Wörter
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Prag läßt nicht los.
Dieses Mütterchen hat Krallen.
Franz Kafka




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Refugialraum nur für Herdenleiter und geladene Gäste, geographische Lage geheim!


Wörter: 12

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Lamm, erzähle mir eine Geschichte.
Es war einmal ein blasser Mann
mit dunklem Haar, der sehr einsam war.
Warum war er einsam?
Alle Dinge müssen diesem Mann begegnen,
deswegen mieden sie ihn.
Hat er sie alle gejagt?
Er nahme eine Axt und schlug
sich entzwei, in der Mitte durch.
Damit er immer einen Freund haben würde.
Damit er immer einen Freund haben würde.
05.11.2014, 13:25
» Raphael
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Caliane.



Die schroffen Felsklippen des Nunataqs lagen still und ruhig in der nachmittäglichen Herbstsonne. Buchen, Eichen und einzelne andere Laubbäume umrahmten die scharfen Klippen, leuchteten dank ihrer Blattfärbung mit der Sonne um die Wette. Das Refugium hielt die Idylle, die sein Äußeres versprach, denn in diesen Rückzugsraum der Erzengel hatten nur Caliane und Raphael zutritt und deren geladenen Gäste. An diesem Ort war das Stillreich tatsächlich so friedlich wie es in den Augen der Engel sein musste. Hier gab es keinen Krieg, kein Blutvergießen; hier konnten himmlische Wesen ihre himmlische Ruhe genießen.

Raphael näherte sich mit mächtigen Flügelschlägen der höchsten Felsklippe des Nunataqs, brachte seinen Körper in einen Winkel geeignet für die Landung und spannte die weißgoldenen Schwingen auf das Maximum ihrer Weite. Sofort spürte er in den zarten Muskelsträngen seiner Schultern, aus denen die Schwingen hervorsprangen, dass die Luftströmung sich veränderte, seine Geschwindigkeit sich verringerte und mit einem eleganten Schlenker landete er auf dem schroffen, scharfkantigen Gestein. Hier oben war der Blick in das Tal des Stillreichs magisch. Er konnte den Wasserfall hernieder rauschen sehen, den Feuerberg mit seinem kontinuierlich roten Feuerschein und in weiter Ferne den Leuchtturm am Strand. Doch viel mehr interessierten seine Augen was sich am Fuß der Klippen des Nunataqs abspielte, denn dort weideten die anwesenden Herdenmitglieder der Adoyan Enay und diese forderten seine Aufmerksamkeit und seinen Schutz.
Mit einem leisen Schnauben ließ er den Blick jedoch nun fortwandern, schloss die Augen und spürte wie der Wind in dieser luftigen Höhe an seiner Gestalt entlang strich und wie seine Schwingen sich danach sehnten wieder ihre Arbeit aufnehmen zu dürfen. Anstelle seines Selbsts schickte er nun jedoch seinen Geist auf die Suche: Mutter? Triff' mich hier, sodass wir die Chance haben in Ruhe und ungestört von fremden Augen und Ohren zu reden.

Caliane würde kommen. Dessen war er sich sicher.


06.11.2014, 16:11
» Caliane
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Raphael


Mit lautlosen Flügelschlägen bewegte sich die Älteste auf den höchsten Punkt des Herdengebiets der Adoyan Enay zu. Mächtig thronten die scharfkantigen Felsklippen inmitten der scheinbar friedlichen Landschaft. Caliane war dem Ruf ihres Sohnes gefolgt und befand sich im Landeanflug auf den Nunataq, wo Raphael sie bereits erwarten würde. Während ihre Augen streng auf das Ziel gerichtet waren, spannte sie die Flügel an und verlangsamte ihr Tempo, ehe sie beinahe federleicht und lautlos auf dem kargen Stein landete. Mit einem flüsternden Rascheln faltete sie die weißen, mächtigen Flügel auf dem Rücken zusammen und trat stumm an die Seite ihres Sohnes. Der Blick war ruhend in die Ferne gerichtet, musterte das Herdengebiet und die weitläufige Landschaft. Sie sah die vom Herbst gelb gefärbten Bäume und den strömenden Fluss, der rauschend die Wiesen durchquerte. Rings um den See tummelten sich einige Pferde zum trinken oder grasen, in der Ferne konnte sie einen Wolf heulen hören.

Ein leises Seufzen entglitt ihrer Kehle, als sie ihren Blick weiter Richtung Nordosten schweifen ließ. Dicke Nebelschwaden zogen sich dort zusammen und hinterließen einen bedrohlich wirkenden Eindruck. Dahinter erkannte sie den rot schimmernden Feuerberg, umgeben von nacktem, grauen Stein. Es dauerte einige Zeit, bis Caliane ihren Blick abwand und sich rührte. Eindringlich sah sie nun mit einem undefinierbaren Ausdruck ihrem Sohn in die Augen und seufzte erneut leise. Es dauerte einige weitere Sekunden, ehe sie die friedliche Stille endlich durchbrach. Du wolltest mich sprechen, Sohn? sprach sie mit einer tiefen, erwartungsvollen Stimme, die dennoch so glockenklar wie das Frühlingslied einer liebeslustigen Amsel klang. Lange ruhte ihr Blick weiterhin auf den dunklen, doch leuchtenden Augen des Erzengels. Der Frieden und die Ruhe an diesem Ort waren nicht zu leugnen und Caliane fühlte sich tatsächlich wohl und konnte sich entspannen, während der flüsternde Wind ihre weiß-graue Mähne umspielte. Schön ist es hier... sprach sie ihre Gedanken wahrheitsgemäß aus und wand den Kopf erneut, um ihren Blick durch die weite Landschaft schweifen zu lassen.


19.11.2014, 20:53
» Caliane
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Zeitsprung


Illium


Sanft waren die weißen Flügel auf ihrem Rücken gefaltet, beinahe geräuschlos erklomm sie den Nunataq, jenen Ort, an dem sie das letzte Mal die Stimme ihres Sohnes gehört hatte. Ihre Beine waren schwer und doch schien sie über den felsigen Boden zu schweben, ohne auch nur eine Feder ihrer Flügel zu benutzen. Es war still geworden in Calianes Kopf. Einst konnte sie sich jederzeit mit Raphael unterhalten, ohne Worte, ohne Stimme, nur mit ihren Gedanken. Doch Raphael war aus ihrem Kopf verschwunden, je mehr sie nach ihm suchte, umso stärker wurde sie sich der Tatsache bewusst, ohne ihn weiter wachen zu müssen. Ein kaum hörbares Seufzen entglitt ihrer Kehle, während sie den Blick über das Herdengebiet der Adoyan Enay schweifen ließ, welches sie einst gemeinsam mit ihrem Sohn regiert und behütet hat. Was würde nun mit der Herde passieren? Wie sollte sie den Tod Raphaels rächen? Ihr Blick war kalt und starr gerade aus gerichtet, eine kalte Winterböe durchzog ihre lange Mähne, die sich wie ein sanfter Schleier vor ihre Augen legte. Doch Calianes Erscheinungsbild war zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als sanft. Kleine rote Funken tanzten über ihrem Körper umher, die Muskeln waren angespannt und die Flügel eng zusammen gefaltet. Es brauchte nicht sonderlich viel, um den Erzengel in dieser Situation vollkommen aus der Fassung zu bringen. Ihr Herz war schwer, der Durst nach Rache groß und gleichzeitig beschlich sie immer wieder das Gefühl, Hilfe suchen zu müssen.

Schon sehr lange verfolgte sie der Gedanke, den stärksten aus Raphaels Kreis aufzusuchen. Illium war ein starker Engel. Vielleicht war für ihn nun die Zeit eines Erzengels gekommen? Wie sonst sollte sie sich an Faithless rächen und den Schutz dieser Herde gewährleisten können? Allein würde sie es nicht schaffen, nicht einmal sie, die älteste und mächtigste aller Erzengel. Caliane schloss die Augen, spürte die kleinen Schneeflocken in ihrem Gesicht, die vom Wind umher getragen wurden. Die Weiße war sich sicher, dass Illium bereits auf dem Weg war. Ihre Botschaft war eindeutig gewesen und der Engel würde sie nicht enttäuschen, dessen war sie sich bewusst. Sie musste nur abwarten.

(Muss erstmal wieder mit ihr rein kommen, aber es soll ja eh ein Shortplay werden :-))


21.01.2015, 20:35
» Illium
BLUEBELL

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Spieler: Gashiyeon
Posts: 22
Geschlecht: Hengst
Alter: 500 Jahre
Beziehung: allein (-)
Herde: Adoyan Enay
Rang: Erzengel
Aufgabe: Richter
Spezies: Erzengel
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Caliane



Eine herrische und doch so klare Stimme unterbrach seine Gedanken, zog ihn wie ein Magnet in eine bestimmte Richtung. Caliane. Seine zuvor noch unschuldigen und regen Gedankengängen wurden zunichte gemacht, ersetzt mit etwas dunklem und schmerzverzerrten. Doch diese Gefühle ebbten so schnell ab, wie sie gekommen waren, zeigten Illium, dass der Erzengel, der ihn zu sich rief eine tiefe innere Unruhe verspürte. Der hübsche Hengst neigte den Kopf in die Richtung, in welche er sich begeben sollte. Verwirrung , aber auch Stolz gebraucht zu werden, erfüllte ihn. Er wechselte selten ein Wort mit Caliane, wenn ihre eindrucksvolle Gestalt überhaupt vor ihm erschien. Normalerweise war es nur Raphael, der ihre stetige Anwesenheit schätzen durfte, umso mehr verwunderte es den dunklen Hengst, dass es eben nicht dieser war, der ihn zu sich rief. Mit dem Kopf in den Wolken vergaß er ganz den Umstand, dass Raphael und er ihr Band schon seit einer längeren Zeitspanne nicht mehr gepflegt hatten, zu sehr war er mit seiner Aufgabe und dem analysieren der sterblichen Herdenmitglieder beschäftigt gewesen. Doch all dies würde ihn jetzt nicht aufhalten, denn Caliane hatte ihn gerufen und es bestand kein Zweifel, dass sie ihn sofort sprechen wollte. Binnen Sekunden hatte er sich von seinem eigentlichen Platz, von welchem er einen äußerst auffälligen Hengst beobachtet hatte, entfernt, schritt nun auf einen Ort zu, der den Normalsterblichen verwehrt blieb. Doch je weiter Illium lief, desto klarer wurde ihm, dass er selbst diesen Ort noch nie betreten hatte. Die gesamte Umgebung war ihm fremd, doch das bedingungslose Vertrauen welches er in Caliane und Raphael setzte, brachte ihn dazu ohne zögern weiter zu laufen.

Die Ohren Illiums waren steil gespitzt und nach einiger Zeit breitete er die silbrig blauen Schwingen aus, erhob sich in die Lüfte und folgte weiter dem Ruf, der von dem mächtigen Erzengel ausgegangen war. Seine Flügel trugen ihn ohne Versagen durch die Lüfte, brachten ihn immer näher an einen Ort, der ihm noch nie zuvor wirklich aufgefallen war. Schroffe Felsklippen zeichneten sich vor dem Horizont ab, auf welchen sich nur teilweise der frisch gefallene Schnee hielt. Es gab keinen Zweifel das von diesem sonderbaren Ort der Ruf Caliane's gekommen war. Mit kräftigen Flügelschlägen kam Illium in die Nähe seines Ziels, umkreiste den fremden Ort einen Augenblick voller Staunen, ehe er zur Landung ansetzte, mit seinen Hufen in den tiefen, weißen Schnee sackte, der so unberührt auf der Felsspitze lag. Die Frage, ob hier oben öfter Lebewesen erschienen, musste er sich gar nicht erst stellen.
Mit einem Räuspern sah er sich vorsichtig um, nahm die Umgebung in sich auf und erkannte schließlich Caliane. Mit einem höflichen Nicken trat er auf sie zu, wagte es jedoch nicht, zu nah an sie heran zu treten. Ihr musste all der Respekt entgegen gebracht werden, den er aufbringen konnte. Er wollte weder sie, noch Raphael enttäuschen. Seine goldenen Augen musterten die Stute dennoch, denn ihre Haltung war von Wut und Rachlust geprägt. Eine ungute Vorahnung machte sich in Illiums Körper breit, die seine Haut prickeln und ihn erschaudern ließ. War etwas geschehen?
Caliane? fragte er daher und versuchte sich von den pessimistischen Gedanken abzulenken. Er war sich unsicher wie er ihren Blick deuten sollte. Es war als sei sie weit weg, fern dieser Welt. Überall, aber ganz sicher nicht hier, bei ihm. Ihr habt mich gerufen? Mittlerweile bestand kein Zweifel mehr für den jungen Engel, dass es sich hierbei um etwas ernstes handelte. Er mochte Caliane nicht allzu gut kennen, doch ihrer Haltung nach zu urteilen, war etwas geschehen, was sie beide für eine lange Zeit beschäftigen würde. Ein Ereignis, von welchem Illium nicht wusste, ob er es erfahren wollte, oder nicht.

Ach, kein Problem, ich muss ja auch erst mal in Illium reinkommen. smilie


Wörter: 651

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ILLIUM, WITH HIS WINGS OF SILVER-KISSED BLUE
and a face designed to seduce both males and females, not to mention
his ability to do the most impossible acrobatics in the air,
would provide a worthy diversion.
21.01.2015, 21:20
» Caliane
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Illium


Calianes Blick war weiter starr gerade aus gerichtet. Sie spürte die nahende Ankunft des Engels, er war ihrem Ruf gefolgt. Hatte er überhaupt eine andere Wahl gehabt? Der Kopf der Schimmelstute hämmerte unaufhörlich im Takt ihres Herzschlages, ein stechender Schmerz machte sich in ihrer Schläfe breit. Immer wieder sah sie verschwommene Bilder, Horrorszenarien, die sie sich niemals hätte ausmalen können. Sie sah vor sich die schemenhafte Silhouette des Geistes, Faithless. Ihr Zorn verstärkte sich, die kleinen roten Funken über ihrem Körper schienen sich in lodernde Flammen zu verwandeln. Sie sah den Geist vor sich, hämisch lachend, die Stimme kalt wie berstendes Eis. Dann entfernten sich die Bilder immer weiter, wurden unerkennbar, ehe sie in einer einsamen, schwarzen Hülle zurückgelassen wurde, in der sich eine eisige Kälte ausbreitete. Das müssen die letzten Augenblicke Raphaels gewesen sein. Caliane konnte die Bilder noch nicht vollkommen in ihren Kopf hineinlassen, zu groß und frisch war der Verlust.

Sie atmete hörbar tief ein und drehte ihren großen Körper elegant um, nur um kurz darauf in die leuchtenden, ehrlichen Augen Illiums zu blicken. Sie nickte ihm wortlos zu, dankte ihm mit dieser Geste für sein kommen und begrüßte ihn auf dem Nunataq. Ich schätze, dieser Ort war dir bisher unbekannt? begann Caliane das Gespräch und sah ihrem Gegenüber dabei weniger in die Augen, vielmehr musterte sie bewundernd die gewaltigen Felsklippen des Refugialgebietes. Ein schöner Ort, so unberührt und ruhig... so friedlich... die letzten Worte zischte sie mit solch einer Boshaftigkeit in die Luft, wie man es gar nicht von einem Erzengel erwarten würde. Sie wusste nicht, wo sie anfangen sollte. All ihre Gedanken waren durcheinander, gefüllt mit Schmerz und Trauer, umsäumt mit ungesättigter Wut. Die Älteste seufzte kaum hörbar, sah den Engel sich gegenüber abschätzend an. Sie hatte bisher noch nicht allzu oft das Vergnügen gehabt, ein Gespräch mit Illium zu führen. Allgemein hegte sie wenig Kontakt zu den engsten Verbündeten ihres Sohnes. All das hatte Raphael getan, sie hatte ihn lediglich mit ihrer Stärke und Macht unterstützt. Und genau in dem Moment, als ihre Macht am meisten gebraucht wurde, war sie nicht vor Ort. Ein Tränenfilm legte sich über die trüben Augen des Erzengels, ein Gefühl, das selbst Caliane mit ihrer hohen Lebenserfahrung noch nicht allzu oft verspürt hatte. Energisch schlug sie den Kopf in die Höhe, jegliche Trauer wich schlagartig dem ungesättigten Durst nach Rache. Seine Seele ist verschwunden, ich höre seine Stimme nicht mehr und seine Gedanken bleiben mir verwehrt... Aber auch so sagt es mir mein Herz. Raphael ist tot. Ermordet von einem widerwärtigen Scheusal. Ihr Blick war nun direkt auf Illium gerichtet, in ihren Augen spiegelten sich so viele Gefühle, wie ein einzelnes Lebewesen gar nicht zu spüren vermag.


22.01.2015, 19:55
» Illium
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Caliane



Illium war erleichtert, als Caliane anfing zu sprechen. Für einen Augenblick hatte er geglaubt, dass sie ihn weiterhin anschweigen würde, über die Felsklippen hinweg auf das Stillreich blicken würde. Doch glücklicherweise war dem nicht so, ihre weisen, wachsamen Augen richteten sich auf seinen Körper und sie begann zu sprechen. Sie fing das Gespräch mit solch belanglosen Worten an, das Illium seine schlechten Vorahnungen schon fast vergaß. Im Hinterkopf klammerte er sich nach wie vor daran, denn seine Gefühle und seine Intuition hatten ihn selten getäuscht. Dennoch fing er an sich ein wenig zu entspannen, spitzte die Ohren und sah Caliane nun mit einem etwas aufgeschlossenerem Blick entgegen.
Ja, ich war wahrhaftig noch nie hie- Er wurde unterbrochen, bemerkte erst jetzt, dass Caliane allem Anschein nach nicht einmal eine Antwort erwartet hatte. Erschrocken zuckte er bei Calianes gezischten Worten zusammen, folgte ein wenig verwirrt ihrem Blick, konnte jedoch nichts erkennen, was sie in solch eine Aufruhr bringen konnte. Die Angst vor schlechten Neuigkeiten wuchs erneut und ein Blick auf Calianes angespanntes Haupt und Illium wurde bewusst, dass er all das Recht der Welt hatte, sich vor ihren kommenden Worten zu fürchten. Es war, als würde sie ihn kaum sehen oder wahrnehmen, sich viel mehr auf einen Plan konzentrieren, den sie längst geschmiedet und im Kopf ausgearbeitet hatte. Er musste nur noch in die Realität umgesetzt werden. Allem Anschein nach war Illium eine wichtige Schlüsselfigur.

Schluckend und ein wenig unsicher flackerte sein Blick zwischen Caliane und der ihm fremden Umgebung hin und her. Er wusste nicht wohin mit sich, auch wenn Caliane ihm keineswegs vermittelte, sich wieder zu entfernen. Er fühlte wie eine bedrohliche Wolke des Grauens auf ihn zurollte und er war sich unsicher, ob er sich diesem Unwetter, welches seinem Geist bevorstand stellen wollte. Dennoch blieb er stehen, als seien seine Hufe fest mit dem Boden verwurzelt.
Doch je länger Illium wartete, desto unangenehmer wurde das Schweigen, welches sich zwischen ihm und dem Erzengel ausbreitete. Daher öffnete er den Mund, wollte gerade etwas sagen, als er das leichte Flackern in Calianes Augen erblickte. Waren das Tränen? Der hübsche Engel erstarrte, sah die Stute vor sich gleichermaßen verwirrt und entsetzt an, doch nichts von all dem konnte seine Reaktion auf das kommende beschreiben. Calianes Worte trafen ihn mitten ins Herz, zerstörten das gesamte Bild, welches er von sich selbst und der Adoyan Enay gehabt hatte. Das Trugbild der Sicherheit und der Idylle zerbarst in tausend kleine Stücke und Illium konnte nicht anders, als weiterhin starr vor Caliane zu stehen und sie mit einem weit aufgerissenen Augen anzustarren. Die Frage nach dem Was oder dem Warum ließ er weg, versuchte zunächst die Wellen des Schocks und der Panik die über ihn hinweg rollten auszuharren. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit bis er sich wieder bewegen konnte. Voller Unglauben suchte er nach der Verbindung, die er einst mit Raphael geteilt hatte, suchte nach dem stabilen und fest geknüpften Band, welches von solch einer Stärke war, dass man es kaum in Worte fassen konnte. Ja, ein Normalsterblicher wäre vermutlich noch nicht einmal dazu in der Lage es überhaupt zu verstehen. In naiver Hoffnung suchte er es, rief sogar nach ihm, doch es kam keine Antwort, kein Lebenszeichen, nicht einmal ein beruhigendes Summen. Geschockt und mit einem kreischenden Schmerzenslaut sackte der Engel in sich zusammen, kniff die Augen zu und versuchte sich vor der grausamen Realität zu verschließen. Einige Male atmete er tief Ein und Aus, versuchte den seelischen Schmerz, der ihn zu zerreissen drohte zu bändigen. Zu viele Gefühle bemächtigten sich seiner. Erinnerungen kamen in ihm hoch, sowie die tiefe Dankbarkeit, die er Raphael immer geschuldet hatte.

Doch nicht nur Trauer und Schmerz waren es, die ihn beherrschten, auch unbändiger Hass und überschäumende Wut nahmen von ihm Besitz, brachten seine goldenen Augen dazu, wie die untergehende Sonne zu funkeln. Langsam richtete er sein zusammengesunkenes Haupt wieder auf, versuchte den Schmerz, der ihn immer noch in Wellen heimsuchte zu unterdrücken und zu ignorieren. Es gab einen Grund, weshalb Caliane ihn alleine hier her gebeten hatte. Sicher nicht, um ihm diese Tatsache allein vor Augen zu führen. Ganz gewiss nicht. Er wollte auch nicht wissen, wie sich die Mutter des verstorbenen Erzengels fühlen musste. Die gesamte Situation war so sureal, dass Illium sie nicht verstehen wollte, doch es führte kein Weg daran vorbei.
Ich… Es… Er… Der hübsche Hengst schüttelte den Kopf, ordnete seine Gedanken und sah wieder auf, dieses Mal lag Bestimmtheit und wilder Tatendrang in seinem Blick. Er wird dafür bezahlen. Und wenn es das letzte ist was ich tue. Es war ein unausgesprochenes Versprechen. Illium hatte wohl nie Jemanden mehr gehasst, als diese Bestie, die ihm seinen ersten und wahrhaftigen Freund und Verbündeten genommen hatte. Er würde später um Raphael trauern. Nicht hier, nicht vor Caliane. Denn Illium hatte das Gefühl, dass es hierbei um noch viel mehr ging.
Wieso hast du mich hergerufen? fragte er schließlich, hoffte dabei einigermaßen gefasst zu wirken. So gefasst, wie man in solch einer Situation eben sein konnte, denn wenn der hübsche Engel ehrlich zu sich selbst war, so musste er zugeben, dass er nicht lieber getan hätte, als sich vor der Welt zu verstecken und zu trauern. Aber das konnte er nicht. Auch nach Raphaels Tod galt sein Versprechen noch, seinen Plan zu unterstützen und ihn auszuführen, komme was wolle.


Wörter: 934

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ILLIUM, WITH HIS WINGS OF SILVER-KISSED BLUE
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would provide a worthy diversion.
22.01.2015, 21:01
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